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DER ALLTAG

Das Leben in der Siedlung

Die archäologischen Funde lassen den Schluss zu, dass Tremona eine sehr bedeutende Siedlung mit vielgeachteter handwerklicher Aktivität war. Allen voran die Metallverarbeitung. In einem der Gebäude wurden Schmelzrückstände, Asche, Kohle, eine Feuerstelle und eine Auflagefläche, wohl für einen Blasebalg, gefunden: Es handelte sich offenbar um eine Schmiede zur Herstellung von Eisenwaren. Auch Schnallen und Schmuckgegenstände von guter Qualität wurden im Castrum gefunden. Ein in vergleichbarem Kontext besonders außergewöhnliches Fundstück ist ein Prüfstein zur Beurteilung der Reinheit von Metallen.

Textilhandwerk und Landwirtschaft

In Tremona wurden rund neunzig Handspindeln aus Speckstein und Terrakotta gefunden, zwei Gewichte für Webrahmen, Reste eines Spinnrads, Zinken von Kämmen für die Kardierung von Wolle, Fingerhüte und Nadeln unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit. All dies zeigt, dass in der Siedlung gesponnen, gewebt, genäht und Leder bearbeitet wurde. Selbstversorgung und Subsistenzwirtschaft waren denn auch die typischen Wirtschaftsmodelle des Mittelalters. Neben dem Handwerk spielte die Land- und Viehwirtschaft eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Siedlung. Roggen und Weizen, Hirse und Sorghum, Kichererbsen und Linsen wurden angebaut.

Ernährungsgewohnheiten

Zukünftige Ausgrabungen und Untersuchungen ermöglichen sicher eine genauere Rekonstruktion des Alltagslebens in der mittelalterlichen Siedlung am Fuße der Alpen. Die einstigen Bewohner können in gewissem Sinne wieder lebendig werden und einen sehr kleinen, aber dennoch faszinierenden Ausschnitt der Geschichte illustrieren, die oft aus sehr einfachen Abläufen und schlichten Dingen bestand. So wurde aus meist hölzernen Schalen gegessen und in Specksteingefäßen auf einer Herdstelle gekocht, die nie erlosch, da sie zugleich die einzige Wärmequelle des Hauses war.