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Ungelöste Rätsel

Bis heute haben die Ausgrabungen in Tremona auch viele Fragen aufgeworfen. Einige sind schwer zu fassen und wahre Rätsel. So wurden an der Türschwelle eines Hauses die Überreste einer ausgewachsenen Ziege gefunden. Die Skeletteile wurden offenbar in einem Ritual verwendet. Der Schädel ist nach Osten gerichtet und von zwei Beinen gerahmt, deren Hufe einander berühren. Eine sonderliche Grabanordnung, die so nur hier dokumentiert wurde und die es noch zu erklären gilt. Der Akt hatte möglicherweise eine symbolische Bedeutung, war religiös motiviert oder Teil eines Gründungsrituals.

Der Schatz von Tremona

Mit den Resten der Siedlung Tremona ist uns auch ein kleiner Schatz aus Silbermünzen erhalten geblieben. Während der ersten Ausgrabungsphase ab 1991 wurden 702 mailändische und 103 cremoneser Denare gefunden. Im Jahr 2000 tauchten weitere 16 Münzen aus Mailand und 6 Münzen aus Cremona auf und in jüngster Zeit noch einmal 222 Einzelstücke. Die älteren wurden auf römische Zeit datiert (zwei As-Münzen, eine aus der Römischen Republik, um 211-89 vor unserer Zeitrechnung, die andere aus der Zeit des Augustus um 16-6 vor unserer Zeitrechnung), die jüngste auf das 15. Jahrhundert (ein Sestino aus der Republik Lucca). Auch die älteste in der Siedlung gefundene Münze darf nicht vergessen werden: eine keltische Drachme mit geringem Silbergehalt, Nachahmung der griechischen Münzen, die um die Wende vom 2. auf das 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung geprägt wurde. Auf ihr ist das Wort „ρικοι“ (Rikoi) zu lesen.

Der Mythos von der zweiköpfigen Schlange

Zu den schönsten und bedeutendsten Fundstücken gehören eine runde Bronzefibel,
die das Emblem der Ausgrabungsstätte geworden ist, und eine Schnalle mit einer anthropomorphen Figur, die eine lange, in Falten fallende Tunika trägt, aus der zwei Beine und vier weit geöffnete Arme hervortreten. Das Gesicht hat zwei große Augen, eine Nase und einen kleinen Mund. Im Haar trägt sie vielleicht ein Diadem. Was genau diese Figur darstellt – einen Geistlichen, einen Schamanen oder einen Krieger – ist nicht geklärt. Schön und geheimnisvoll zugleich ist auch ein Schmuckelement aus dem späten 12. Jahrhundert, auf dem, so scheint es, eine Amphisbaene dargestellt ist. Das griechische Fabelwesen, eine Schlange mit zwei Köpfen an den entgegengesetzten Enden des Körpers, stand im Christentum symbolhaft für Gut und Böse, die Köpfe stellten Christus auf der einen Seite und Satan auf der anderen dar.