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DIE GRABUNGEN

Erste Untersuchungen

Der Hügel nördlich von Tremona trägt seit jeher die Bezeichnung Castello. Das bringt den in der Region beheimatete Wissenschaftler Alfio Martinelli 1988 dazu, persönliche Nachforschungen zu dem längst verlassenen und von den Wäldern zurückeroberten Ort anzustellen. Martinelli kann sofort zahlreiche, vom Pflanzenwuchs halb verdeckte Steinmassen ausmachen. Ihre Anordnung scheint nicht zufällig; ganz im Gegenteil: Erste Untersuchungen bestätigen die Hypothese, dass die Anhöhe einen wahren Schatz bergen könnte. Tonscherben, Werkzeug aus Feuerstein und Metallgegenstände werden gefunden, darunter Bronzefibeln, Pfeilspitzen und Eisenfragmente, die auf verschiedene Zeitpunkte zwischen der Jungsteinzeit und dem Mittelalter datiert werden. Auf der Hügelkuppe von Tremona erwacht die Vergangenheit zu neuem Leben.

Beginn der Grabungen

Die ersten Grabungen beginnen 1991 mit Einwilligung der Tessiner Kantonsregierung. Zahlreiche mittelalterliche Münzen werden gefunden. Die ausgegrabenen Gebäudestrukturen sind mittlerweile fotografisch dokumentiert. 1999 wird der Verband für Archäologische Forschung des Mendrisiotto (ARAM) gegründet, der die Grabungen systematischer gestalten und es den Mitgliedern ermöglichen soll, zur wertschätzenden Nutzung des Standorts beizutragen. In die über mehrere Jahre fortgesetzten Forschungen werden nach und nach öffentliche und private Institutionen der Schweiz, Italiens und Europas einbezogen, darunter Museen, akademische Fakultäten und Forschungseinrichtungen für Archäobiologie. Auch die Schüler des Ausbildungszentrums des Schweizerischen Bauunternehmerverbands (SSIC) sind ab 2002 an den Arbeiten zur Festigung und zum Erhalt der zu Tage geförderten Anlagen beteiligt.

Die Siedlung wird ausgegraben

Die zweite Phase der Ausgrabungen beginnt im Jahr 2000 und lüftet die bis dahin vom Hügel gehüteten Geheimnisse. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf die unterste Terrasse, auf der 27 Gebäude entdeckt werden. Sie bestehen aus Steinen, die aus einem kleinen, nicht weit entfernt in nordöstlicher Richtung gelegenen Steinbruch stammen. Ein erstes Modell der Siedlungsentwicklung wird erarbeitet und der Alltag der Bewohner des Castrum näher beleuchtet. Ab Ende 2008 werden die Ausgrabungen auf die zwei oberen Terrassen ausgeweitet und dort weitere 24 Gebäude freigelegt. Die Forschungen werden von den Mitgliedern des ARAM und von einigen großzügigen privaten Unterstützern finanziert.

Der Ausgrabungspark entsteht

Durch die Bedeutung der historischen Funde in der Siedlung Tremona lassen sich kantonale und kommunale Institutionen sowie Bürgergemeinden von der Notwendigkeit überzeugen, die Ausgrabungsstätte umfassend zu erschließen. So entsteht der Ausgrabungspark, der am 3. und 4. September 2016 mit zwei Tagen in historischer Atmosphäre mit Szenen aus dem Alltag der mittelalterlichen Siedlung eingeweiht wird. Das nächste Ziel ist die Einrichtung eines Antiquariums, einem Ausstellungsraum, in dem die Fundstücke aus dem Castrum gezeigt und Informationsveranstaltungen durchgeführt werden können, nicht zuletzt, um den Bekanntheitsgrad des Parks weiter auszubauen.